Weinbeschreibung für Tonsur 2023 von Pranzegg
Allgemeine Informationen
In den steilen Hängen des Ritten, wo die kühlen alpinen Luftströme auf das milde mediterrane Klima Südtirols treffen, kultiviert das Weingut Pranzegg unter der behutsamen Führung von Marion und Martin Gojer einen der bemerkenswertesten Weine der Region. Der „Tonsur“ 2023 – dessen Name auf die Tradition der Mönche anspielt, die einst die Weinkultur in dieser Gegend prägten – ist ein tiefgründiger Ausdruck dieses einzigartigen Terroirs. Die Reben wurzeln in vulkanischen Böden der Lage Oberplatten, wo sie eine mineralische Spannung aufnehmen, die sich durch den gesamten Wein zieht.
Dieser Feldwein vereint hauptsächlich Müller-Thurgau (etwa zwei Drittel) mit Weißburgunder (Pinot Blanc), Sylvaner und Anteilen von Chardonnay – eine Assemblage, die die Vielschichtigkeit der Südtiroler Weintradition widerspiegelt. Mit bewusster Zurückhaltung bei nur 11,5% Alkohol zeigt sich hier ein Wein, der nicht durch Kraft, sondern durch Präzision und Finesse überzeugt.
Visueller Eindruck
Im Glas präsentiert sich der Tonsur in einem zurückhaltenden Strohgelb mit subtilen orangenen Reflexen, die von der sechstägigen Maischegärung zeugen. Der seidenmatte Schimmer erinnert an das frühmorgendliche Licht, das durch den Nebel der Südtiroler Täler bricht – verhalten, aber von innerer Klarheit.
Nase
Die erste Begegnung mit dem Bouquet verlangt Geduld – eine Tugend, die die Gojers sowohl im Weinberg als auch im Keller praktizieren. Langsam entfaltet sich ein Duftbild von bemerkenswerter Präzision: zuerst die Andeutung von frisch aufgeschnittenen gelben Äpfeln mit wachsiger Textur, dann die zarte Süße von Orangenblüten, die an warme Frühlingsabende in den Südtiroler Obstgärten erinnert. Mit weiterer Belüftung gesellen sich gehackte süße Mandeln hinzu, untermalt von einem Hauch alpiner Kräuter – Kerbel und Melisse, die an die Wildkräuterwiesen oberhalb der Weinberge erinnern. In diesem Duft liegt die Geschichte der Maischestandzeit und des geduldigen Hefelagers im Betonbehälter verborgen – ein Prozess, der dem Wein seine bemerkenswerte texturelle Dimension verleiht.
Gaumen
Am Gaumen offenbart der Tonsur seinen wahren Charakter: Ein überraschend saftiger Auftakt mit cremigem Schmelz wird sofort von einer feinen, pudrigen Textur begleitet, die den Gaumen umhüllt wie Morgennebel die Berghänge. Hier zeigt sich die meisterhafte Handschrift der Gojers – statt vordergründiger Fruchtaromen steht die haptische Erfahrung im Vordergrund. Die Struktur wirkt präzise und geradlinig, fast streng in ihrer Disziplin, während die Frucht- und Blütenkomponenten sich vornehmlich retronasal im Extrakt entfalten.
Die behutsam extrahierte Phenolik – Ergebnis der Maischegärung mit 50% Stielanteil – verleiht dem Wein eine aromatische Tiefe und einen wohlig warmen Bass, der an die vulkanischen Böden erinnert, aus denen er stammt. Der Nachhall ist von erstaunlicher Länge für einen Wein dieser Preisklasse, mit einer subtilen Salzigkeit, die zum nächsten Schluck verführt. Die Säure ist präzise eingebunden und verleiht dem Wein eine innere Spannung, die ihn trotz seiner texturellen Fülle niemals schwer erscheinen lässt.
Speiseempfehlungen
Die strukturelle Komplexität und phenolische Textur des Tonsur prädestinieren ihn für Gerichte, die über die üblichen Begleiter leichter Weißweine hinausgehen. Er harmoniert hervorragend mit Südtiroler Speckknödeln in leichter Salbeibutter, zeigt sich als perfekter Partner zu geräucherter Forelle mit Fenchelkraut oder begleitet Pilzrisotto mit Bergkäse mit bemerkenswerter Eleganz. Auch zu Kürbisgerichten mit brauner Butter oder Kastanienmehlgnocchi entfaltet er sein volles Potenzial.
Dieser Wein ist ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie traditionelles Handwerk, tiefes Verständnis des Terroirs und geduldige, minimalistische Kellertechnik zusammenwirken können, um einen Wein von bemerkenswerter Identität zu schaffen – ein wahrhafter Ausdruck der neuen Generation Südtiroler Weinbauer, die Tradition und Innovation mit sicherer Hand verbinden.









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